komaedchen-cup D1 2019

D1 verteidgigt Titel in Blankenese

Im Herrenfußball gibt es Wettbewerbe, die zum Aberglauben neigende Bundesligisten besser nicht gewinnen sollten. So stand beispielweise das Vorbereitungsturnier der Telekom zeitweilig unter einem schlechten Stern für alle Gewinner der ambitioniert gestalteten Glasskulptur – der „Fluch des Bergkristalls“ sorgte oft für einen holprigen Saisonstart.

Gibt es Vergleichbares auch im Mädchenfußballbereich? Zumindest stolperte die SCALA-D1 nach dem Triumph beim von den Komädchen ausgerichteten Tim- Pahl-Pokal im Jahr 2018 in eine überraschend durchwachsene Hallenrunde. Doch das war gestern und nur Feiglinge hätten vor den alten Legenden und dem etwas gruseligen Grabplatten-Design der steinernen Trophäe zurückgeschreckt.

Die SCALA-Mädels waren jedenfalls heiß darauf, den Wander-Pott zu behalten, der in Wirklichkeit ein Deckel ist. Beim Trainerteam gingen so viele Anmeldungen ein, dass gar nicht alle Interessentinnen am frühen Samstagmorgen den Weg in den tiefen Westen antreten konnten. Der Bitte, mit zwei Teams antreten zu dürfen, konnte von Seiten der Turnierleitung leider nicht entsprochen werden und so war Nele in Abwesenheit von Karsten gefordert, allen zehn Mädchen ausreichend Spielzeit zu gewähren und ganz nebenbei noch den Titel zu verteidigen – was mit Bravour gelang.

Mit Blockwechseln zum Erfolg

Da die Gäste aus Kiel kurzfristig absagen mussten, bestand das Teilnehmerfeld aus lediglich fünf Teams, die im Modus „Jeder-gegen-jeden“ mit einer verlängerten Spielzeit von jeweils 15 Minuten den Turniersieger ausspielten. Nele stellte die Keeperinnen Judith und Rebecca abwechselnd ins Tor und setzte ansonsten auf Blockwechsel in der Mitte jeder Partie. Die wurden jeweils vollzogen, ohne dass die spielerische Qualität gelitten hätte, was einmal mehr die Ausgeglichenheit des außergewöhnlich starken D1-Kaders aufzeigte. In der Regel bildeten Narine und Frieda sowie Milli und Emma die Sturmduos, während Sara und Lina bzw. Jojo und Lucie für Balleroberung und Spielaufbau verantwortlich zeichneten.

Im ersten Spiel wartete die 2007er-Auswahl des Gastgebers. In einer sehr ansprechenden Partie, in der auch die Komädchen durchaus mit zielstrebigem Kombinationsfußball zu gefallen wussten, versäumte SCALA es, seine zahlreichen Großchancen in wenigstens ein Tor umzumünzen – Pfosten, Latte und eine phänomenal haltende Torfrau hatten immer wieder etwas dagegen.

Kein Grund aber für lange Gesichter auf der SCALA-Bank, zumal die versäumten Tore im kommenden Spiel gegen Altona 93 im Überfluss fielen. Die sehr jung wirkenden AFC Deerns ließen in anderen Partien ihre spielerischen Qualitäten aufblitzen, waren aber gegen den gnadenlos rollenden SCALA-Express körperlich offensichtlich überfordert und mussten nach insgesamt neun Gegentreffern tapfer den immer schwerer werdenden Gang zum Anstoßkreis antreten.

Unnötig spannend gemacht

Auch gegen Pinneberg erspielte sich SCALA mit schönem Direktspiel viele hervorragende Möglichkeiten, die aber alle ungenutzt blieben. Der einzige Treffer resultierte zunächst aus einem Zufallsprodukt – und erst unmittelbar vor dem Schluss-„Aus“ des sehr aufmerksamen Schiedsrichters gelang das entscheidende 2:0.

Das bescherte dem Turnier ein richtiges Endspiel gegen die D2 der Komädchen, die bis dahin ohne Verlustpunkt ihre Runden gezogen und ihre Gegner dabei vor allem durch ihre Dribbelkünstlerin Leni in Verlegenheit gestürzt hatten. Doch die ist nach einigen zum Teil leidvollen Erfahrungen zwischen Heinrich-Traun-Platz und Beckermannweg längst keine Unbekannte mehr – und konnte erfolgreich an entscheidenden Durchbrüchen gehindert werden. Die SCALA-Mädels schossen relativ schnell eine 3:0-Führung heraus, die nicht mehr ernsthaft in Gefahr geriet.

Aus eins mach wieder zwei

Am Ende stand ein beeindruckendes Torverhältnis von 14:0, für das sich Narine, Emma, Jojo, Lina und Lucie in die Torschützenliste eintragen konnten – die genaue Abfolge lässt sich angesichts der hallenüblich hohen Treffer-Frequenz im Nachhinein ohne das brillante Bildmaterial des nicht anwesenden „Video-Schiedsrichrters“ Mark nicht rekonstruieren. Vor allem Narine ließ es jedenfalls vor der Kiste krachen und gewann die inoffizielle Torjägerkanone, aber die große Stärke dieser D1 ist ohne Frage ihre Ausgeglichenheit, die Mut macht für die in wenigen Wochen startende Hallenmeisterschaft. Dort wird SCALA ausnahmsweise wie die Konkurrenz aus Eimsbüttel und Blankenese mit jahrgangsreinen Teams antreten. Sowohl die 2007 als auch die 2008er sollten dort eine gute Rolle spielen, obwohl die Generalprobe auf ganzer Linie geglückt ist. Toi, toi, toi.

Ein großes Dankeschön noch einmal an die Veranstalter aus Blankenese, die seit Jahren mit viel Engagement tolle Herbst- und Frühlingsturniere ausrichten (deren letztere sich leider meistens mit dem Airport Cup überschneiden)!