D1: Verhängnisvoller Hallen-Spieltag

Ruhm ist ein vergänglich Ding. Das hätten zumindest die Spielerinnen der D1 wissen müssen, die vor zwei Wochen mit einer gemischten Truppe aus 2007er und 2008er Mädchen den „La Rive Cup“ in Henstedt Ulzburg gewonnen hatten – und das relativ ungefährdet mit fünf klaren Siegen. Auf dem Platz ließen sich die SCALA Mädels nie auf dem falschen Fuß erwischen, nur die Siegerehrung geriet zur Überraschung, als es anstelle eines Pokals eine Selektion von Duftwässerchen aus dem Hause des namensgebenden Hauptsponsors gab.

Der süße Geschmack des Sieges verflüchtigte sich so schnell wie die abgefüllten Aromen aus den Flakon-Trophäen. Sinnfälliger kann eine Erinnerung daran nicht ausfallen, dass Erfolg immer wieder neu erarbeitet und bestätigt werden muss. Und ein bisschen hängt er auch bestimmt von der Gunst der Götter ab – besonders des viel beschworenen Fußballgotts und seiner bezaubernden Partnerin, der Siegesgöttin Victoria.

Auf die Hilfe der Letztgenannten musste die SCALA D1 am letzten und alles entscheidenden Spieltag in der Hallenmeisterschafts-Vorrunde nicht hoffen, trug der ärgste Widersacher, der SC Victoria, doch ausgerechnet den Namen der Göttin im Vereinsnamen. Und auch der Fußballgott selbst trieb ein perfides Spiel mit den wackeren Alstertalerinnen und hatte sich dafür ein grausames Drehbuch ausgedacht.

Erste kleine Schikanen wie durchnässte Torwarthosen und Hallenschuhe ließen sich noch als Marginalien abtun, sogar die übernächtigten Klassenreise-Rückkehrerinnen machten einen erstaunlich frischen Eindruck. Doch was den finalen Spieltag – ungeachtet der hervorragenden Ausgangssituation – vom ersten Anpfiff an zu einer schwierigen Mission machte, war die große Nervosität der SCALA Mädels. Sie wollten den Deckel auf eine bis dahin souverän geführte Hallenrunde machen, das war klar zu sehen, aber sie wollten so sehr, dass ihnen dabei jegliche Leichtigkeit abhanden kam.

Es wurde ein Drama in drei Akten. Am Anfang stand das Spiel gegen Wellingsbüttel 1, das gewohnt dominant geführt wurde, aber dabei immer eine Spur zu hektisch und überdreht. Selbst das 1:0 brachte keine Ruhe ins Spiel. Anstatt die Führung gegen die Defensivkünstlerinnen in ihren goldenen Trikots zu verwalten, rannte SCALA weiter ungestüm an, verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung und fing sich mit dem einzigen Torschuss der Gegnerinnen den Ausgleich ein. Ärgerlich und völlig unnötig.

Damit mussten aus den verbleibenden beiden Spielen zwei Siege her. Zunächst gegen Walddörfer 1. Hier stand es relativ schnell 2:0, doch wer auf einen Brustlöser vor dem Showdown gegen Vicky gehofft hatte, sah sich schnell getäuscht. Durch eine Verkettung unglücklicher Aktionen luden die übermotivierten Alstertalerinnen den WSV förmlich zum Anschlusstreffer ein und gaben dabei das Bild eines Sprinters ab, der beim Weltrekordversuch über seine eigenen Beine stolpert.

Doch um B-Noten ging es ohnehin schon lange nicht mehr, sondern nur noch ums nackte Überleben – und da waren die drei Punkte trotz des wenig ansehnlichen Spiels am Ende Gold wert, stand doch dadurch vor dem letzten Spiel gegen Victoria die Tür zur Endrunde weit offen. Da musste noch einmal gegen den Tabellennachbarn ein Dreier her, um das Finalticket zu lösen.

Die Blau-Gelben von der Hoheluft hatten in den ersten beiden Spielen des Tages zwei knappe Siege eingefahren – und das Spielglück blieb ihnen leider hold, denn SCALA schaffte es nicht, seine klaren Torchancen zu nutzen. Dreimal erstarb der Torschrei auf den Lippen der aufgesprungenen Eltern und Betreuer, als der SCALA-Sturm frei vor der Torhüterin und einmal sogar vor dem leeren Tor scheiterte.

Gebrauchter Tag hin oder her – letztlich hätte nur die Futsal-Pille ein einziges Mal über die Torlinie kullern müssen und alles wäre wieder gut gewiesen. Aber wie in einem schlechten Traum nahm das Verhängnis unbarmherzig seinen Lauf, die Spannungs-Folter blieb ohne Happy End und die Endrunde findet nun aller Voraussicht nach ohne die SCALA D1 statt – was angesichts der Qualität des Kaders eigentlich wie ein schlechter Scherz anmutet.

Fußball wird eben oft nicht nur zwischen den Toren, sondern auch zwischen den Ohren entschieden. Und da spielten bei der D1 leider ausgerechnet auf der Zielgeraden die Nerven nicht mit. Erfreulicherweise erfüllte wenigstens die Zweite im Anschluss ihre Pflichtaufgaben und wird ganz sicher die SCALA-Fahne im Finale hochhalten. Glückwunsch dazu, das haben die „Kleinen“ wirklich sehr gut nach Hause gespielt – und sie fahren bestimmt nicht als Außenseiter zur Endrunde. Auch die D1 hat noch ein kleine Chance nachzurücken, wenn Victoria, das noch drei Spiele zu bestreiten hat, sich am nächsten Wochenende einen Ausrutscher erlaubt. Ansonsten bliebe als kleines Trostpflaster nur das Hallenpokalfinale der Dritt- und Viertplatzierten.

In jedem Fall sollte die D1 geläutert aus dem Purgatorium der Ungewissheit hervorgehen, das bis zum kommenden Sonntagnachmittag anhält, wenn die letzten Gruppenspiele stattfinden, und sich im Finale – welches auch immer es sein wird – auf alte Hallen-Tugenden besinnen. Wenn sie sich ihre Gegnerinnen ruhig zurechtlegt und ausspielt, statt mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, hat sie durchaus gute Chancen, am Ende wieder eine Trophäe in der Hand zu halten – und zwar eine von bleibendem Wert.