Achtungsergebnis für die neue C1

Plötzlich wieder Fußball. Die Autofahrt nach Pinneberg, die bestens bekannte Anlage, auf der jährlich mit wechselndem Erfolg um den Löwinnen Cup gekämpft wurde, die altvertrauten Gesichter der Eltern, der Trainer, die Spielerinnen, die alle noch zu erkennen sind, obwohl viele von ihnen die Corona-Pause zu einem Wachstumsschub genutzt haben – für einen Moment wollte es fast so scheinen, als wäre nichts gewesen, neun Monate nach dem letzten regulären Kräftemessen auf grünem Untergrund. 

Dabei scheint immer noch nicht endgültig geklärt, wie es mit der Saison weitergehen wird. Aber freuen wir uns, dass Spiele derzeit wieder möglich sind und konzentrieren wir uns aufs Sportliche. Da stehen SCALAs Mädchenteams traditionell vor der Herausforderung, sich am Anfang jeder neuen Saison komplett neu erfinden zu müssen. Jetzt spielen also wieder die 06er mit den 07ern zusammen. Vor anderthalb Jahren hatte es in dieser Konstellation nach einer wechselhaften Herbstrunde zu einem tollen vierten Platz in der Meisterstaffel gereicht. Lediglich die traditionellen „Big 3“ des Jahrgangs 2006 standen am Ende vor den Alstertalerinnen – und einer dieser Platzhirsche ist der VfL Pinneberg, der als erster Testspielgegner direkt ein ziemlich dickes Brett war.

Die Mädels aus dem Speckgürtel gingen vom Anpfiff weg beherzt zur Sache, standen sehr hoch und pressten SCALA in die eigene Hälfte. Zu befreienden Gegenangriffen kam es in den ersten Minuten nicht – zu weit waren die Wege auf dem für viele Spielerinnen ungewohnt großen Feld und zu groß der Druck der Gegnerinnen, die auch schnell mit 1:0 in Führung gingen. Aus deutlicher Abseitsposition, aber das ist für Schiedsrichter ohne Unterstützung an den Linien wahrscheinlich nicht immer richtig zu beurteilen, weshalb es auch nichts bringt, sich darüber aufzuregen. Als kurz danach auch das zweite Tor für die Gastgeberinnen fiel, musste man sich fast Sorgen um die SCALA Mädchen machen.

Doch statt auseinander zu brechen schwammen sie sich langsam aber sicher frei und kamen zu eigenen Chancen. Eine davon verwertete Silja entschlossen – und das Spiel war wieder offen. Als es nach 40 intensiven Minuten und einem weiteren Gegentor mit 1:3 in die Pause ging, war der Rückstand zwar nicht unverdient, aber das Spiel trotzdem noch lange nicht entschieden.

Kuriosum am Rande des Spielfelds: Nicht weniger als vier hoch motivierte Übungsleiter puschten die Pinnebergerinnen von der Seitenauslinie, während Leon die SCALA-Mädels im Alleingang coachte. Nach Toren ging der Gastgeber mit einer Führung in die Halbzeit, aber die Gäste lagen immerhin in der inoffiziellen Wertung „Tore pro Mitglied des Trainerstabs“ vorn.

Und es wurde noch besser: Die zweite Hälfte ging durch zwei späte Treffer von Diba und Frieda mit 2:1 an SCALA, lediglich das zwischenzeitliche 4:1 durch einen schönen Distanzschuss bescherte Pinneberg den letztlich nicht unverdienten Heimsieg. Aber am Ende war es noch einmal knapp geworden – und wer weiß, was passiert wäre, wenn das Spiel noch fünf Minuten länger gedauert hätte.

In jedem Fall war es ein gelungener erster Test. Das Team hat im Laufe der Partie immer besser zusammengefunden und deutete schon einmal an, welches Potenzial in der Truppe steckt. Leon nutzte die gesamte Spielzeit, um mit der Mannschaft zu arbeiten, probierte Spielerinnen auf verschiedenen Positionen aus, gab das ganze Spiel hindurch Anweisungen und sprach viel mit den beiden Mädchen, die jeweils gerade auf der Reservebank verschnaufen durften – mit Erfolg, wie der Spielverlauf zeigt.

Alles in allem ein Auftritt, der Lust auf mehr gemacht hat. Jetzt muss nur noch der HFV den Startschuss für die Meisterschaft geben, dann kann hoffentlich auch in diesen komplizierten Zeiten in kleinen Schritten wieder so etwas wie Fußball-Normalität zurückkehren.