C1: Furioses 7:2 in Altona

Alles wie immer und doch ganz anders. Beim Treffpunkt vor der gewaltigen Sportplatzanlage an der Baurstraße fühlte es sich seltsam vertraut an, mit dem SCALA-Tross auf die letzten Stau-Opfer zu warten, wie ein Gruß aus einem früheren Leben – doch dann wurde ziemlich schnell klar, was sich in Zeiten von Corona eben doch verändert hat. Es fing damit an, dass die Spielerinnen nur in Vierergruppen die Kabine betreten durften. Der zahlreich erschienene Eltern-Fanblock sah sich sogar komplett ausgeschlossen und musste sich auf einen Beobachtungshügel hinter der Anlage zurückziehen. Hier gab es durch den ungewöhnlichen Blickwinkel und das Zaungitter vor der Nase Kurvenfeeling pur – und einen sehr guten Überblick.

Dadurch ließ sich hervorragend beobachten und genießen, wie SCALA vom Anpfiff an das Spiel dominierte und sich durch ein gepflegtes Kurzpassspiel Chancen erarbeitete. Nach fünf Minuten klingelte es zum ersten Mal im AFC-Kasten. Frieda hatte schön auf Lina durchgesteckt, die vor dem Tor eiskalt blieb und unhaltbar einschoss. Der Sturmlauf ging weiter, doch zunächst einmal setzte es eine kalte Dusche. Nicht von oben, das Wetter spielte dankenswerter Weise mit, sondern in Form eines unerwarteten Konters. Was war passiert? Bei einer Ecke für SCALA war das gesamte Team sehr weit aufgerückt, weshalb eine an der Mittellinie lauernde AFC-Stürmerin den abgewehrten Ball aufnehmen, die letzte Reihe mit schnellen Schritten überlaufen und Torfrau Judith mit einem platzierten Abschluss überwinden konnte.
Das brachte die SCALA-Mädchen aber nicht aus dem Rhythmus. Durch ein massives Pressing hielten sie die AFC Deerns weiter fast vollständig in ihrer eigenen Hälfte und erzwangen immer wieder Fehler im Aufbauspiel. Frieda spekulierte richtig, erspitzelte einen Querpass am Sechzehner und konnte unbedrängt einschießen.

Mit einem verdienten 2:1 für die Gäste aus dem Alstertal ging es in die Pause, aber damit war der Geburtstagsdreier für Leon noch nicht gesichert. Der Coach war an seinem Ehrentag verhindert, hatte aber nichts dem Zufall überlassen. Die Pass-Staffetten sahen aus wie im Training eingeübt und Ersatz-Trainer Christopher – der es als einziges Elternteil in den Innenraum schaffte – musste die gut geölte Kombinationsmaschine lediglich mit erfahrenem Blick am Laufen halten. Dabei drückte er offensichtlich immer die richtigen Knöpfe, denn nach dem Seitenwechsel ging es nach einer kurzen Eingewöhnungsphase munter weiter. Es folgte die stärkste Phase von SCALA, die mit kurz aufeinander fallenden Toren die Entscheidung brachte – und auch Leon am Live-Ticker auf Trab hielt.

Zunächst war es noch einmal Lina, die nach einem traumhaften Steilpass von Jojo in den Strafraum eindrang und gekonnt vollendete. Die nächsten beiden Treffer gingen auf das Konto von Emma, die erst noch bei einem Abschluss in bester Gerd-Müller-Manier Pech hatte, als ihr im Sitzen in Richtung Tor gestocherter Ball am Pfosten landete. Danach klaute sie der AFC-Abwehr einen Ball und schoss ein, bevor sie ein punktgenaues Zuspiel von Juli verwertete. Altona traf noch einmal nach einer kurzen Unachtsamkeit in der SCALA-Abwehr, kam ansonsten aber nicht mehr in Tornähe. Den doppelten Schlusspunkt setzte Finni I., die den schönsten Angriff des Spiels, über die rechte Seite vorgetragen, mit einem kraftvollen Sprint an der herauslaufenden Torfrau vorbei veredelte. Auch das 7:2 erzielte Finni, indem sie sich nach einem Zuspiel von Emma bis zur Torlinie durchdribbelte und unbedrängt einschieben konnte.

Die ganze Mannschaft war spürbar heiß auf den Saisonauftakt und hatte einen ausgesprochen guten Tag erwischt. Judith hielt, was zu halten war und überzeugte mit zielsicheren Zuspielen, der Abwehrriegel mit Ida, Adele, Lucie und Vilja eroberte viele Bälle und initiierte ein kontrolliertes Aufbauspiel, das Mittelfeld mit Jojo, Silja und Juli sorgte zu jedem Zeitpunkt für ein SCALA-Übergewicht in der Zentrale und machte das Spiel schnell, die Außenspielerinnen Lina und Frieda auf Rechts sowie Sophia, Finni M. und Lucy auf Links konnten sich immer wieder auf den Flügeln durchsetzen und im Sturmzentrum waren Emma und Finni I. in Torlaune.

Also eigentlich ein perfekter Saisonauftakt – wäre da nicht die Meldung gewesen, dass der HFV in Folge steigender Corona-Zahlen den Spielbetrieb im gesamten Jugendbereich auf unbestimmte Zeit aussetzt. Der Weg zur Normalität ist also noch weit, aber das Spiel in Altona erinnerte zumindest nachdrücklich daran, worauf wir uns freuen können, wenn die Pandemie endlich unter Kontrolle ist.