C1 – Fußball wird unwichtig

Wenn Fussball plötzlich zur Nebensache wird, dann geht es um etwas viel Wichtigeres: Gesundheit. Das Punktspiel bei den Mädchen vom Harburger TB sollte allen Beteiligten nur allzu deutlich vor Augen führen, dass Fußball eben auch nur eines sein sollte: Ein Spiel. Doch am Ende war selbst dieses Spiel völlig uninteressant.

 

Scala reiste bereits vor allem durch Krankheiten und Quarantäne dezimiert in den Hamburger Süden, lediglich eine Auswechselspielerin war mit dabei: Eine von beiden Torhüterinnen. Die kampfstarken Harburgerinnen hatten bis dato viele knappe Siege eingefahren und auch den Kickbees bereits ein Unentschieden abgerungen. Die Kickbees liegen weiter auf Platz zwei der Tabelle, dahinter duellieren sich die beiden Teams dieses Spiels. Dass es also ein Spiel werden würde, bei dem es durchaus auch mal härter zugehen würde, konnte man wohl erahnen.

 

Das Spiel selbst gestaltet sich dann auch ziemlich ausgeglichen mit Chancen auf beiden Seiten (inklusive vergebenem Scala-Elfmeter). Harburg setzte Scala früh unter Druck, diese konnten sich jedoch immer wieder befreien. Nach 25 Minuten erzielte Malak dann das 1:0 für Scala. In Halbzeit zwei aber schlichen sich immer wieder Ungenauigkeiten ein, bedingt auch durch die eingeschränkten Wechselmöglichkeiten, während Harburg  häufiger auf Auswechslungen zurückgreifen konnte. Konditionell hatte Harburg somit deutlich mehr Kapazitäten; folglich erzielte Harburg dann auch – aus Sicht von Scala auf sehr unglückliche Art und Weise – den Ausgleich. Bereits während des Spiels hatten die Scala-Mädchen vor allem durch den sehr seifigen Platz einige Blessuren und blutige Knie erlitten. Je mehr sich das Spiel seinem Ende näherte, desto robuster wurde die Spielführung, denn beide Teams wollten noch den Siegtreffer erzielen. Und schon geschah es: Jojo wurde an der Außenlinie grob gefoult und schnell war klar, dass es für sie nicht weitergehen kann. Das Spiel wurde unterbrochen, ein Rettungswagen angefordert. Letztendlich noch Glück im Unglück, wenn einem bewusst wird, dass knapp hinter der Außenlinie bereits Steinplatten verlegt sind. Der Schiedsrichter pfiff das Spiel nach längerer Unterbrechung wieder an, und diese tat der rustikalen Spielweise der Harburgerinnen keinen Abbruch. „So ist eben Fußball“, war eine Aussage der Harburger Verantwortlichen. „Cleveres Spiel hört da auf, wo Unsportlichkeit anfängt“ hätte Franz Beckenbauer vielleicht erwidert. Wie man es auch betrachtet – die Scala-Mädchen haben in jedem Fall die letzten Reserven mobilisiert, um bis zum Ende gegenzuhalten.

 

Mit dem Schlusspfiff zum 1:1-Unentschieden folgte dann eine Situation, die allen Scala-Angehörigen für Stunden Sorgen bescheren sollte: Malak wurde so unglücklich am Kopf getroffen, dass die Sanitäter, die glücklicherweise von Jojos Versorgung noch anwesend waren, sofort Malaks übernahmen. Diese waren derart besorgt, dass ein Notarzt samt Rettungshubschrauber angefordert wurde und dieser Malak nach langer Behandlung ins Krankenhaus flog. Zum Glück gab es bereits am nächsten Tag vorsichtige Entwarnung und Malak konnte das Krankenhaus wieder verlassen.

 

Für die Scala-Mädchen, Trainer Leon und auch die Eltern Stunden, die man nicht auf einem Fußballplatz (und auch sonst nirgends) erleben möchte. Die Mädchen zeigten sich auch in dieser belastenden Situation als starkes Team: Sie versuchten gemeinsam, ihre Emotionen zu kontrollieren und stützten sich während der bangen Minuten gegenseitig.

 

„Fußball ist und bleibt ein Spiel, und das wird von den meisten oft übersehen.“ Auch dieses Zitat stammt von Franz Beckenbauer, und dies sollten sich alle Beteiligten, gerade im Jugend- und Mädchenfussball, bisweilen wieder deutlicher bewusst machen.

 

Für dieses Mal bleibt die Erleichterung, dass sich alle Verletzten, vor allem Malak, bereits auf dem Weg der Besserung befinden! Für eine schnelle, vollständige Genesung drückt die gesamte C1-Gemeinschaft allen Verletzten alle Daumen 🍀